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Schule Erkersreuth
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Christliche Gemeinschaftsschule

Schulorganisation 1952 und der "Fall Richter"

- Auszug aus der Schulchronik von Schulleiter Rudolf Richter-

1.   Evang. Konfessionsschule oder Christl. Gemeinschaftsschule ?

Nach der Veröffentlichung des neuen Schulorganisationsgesetzes wurde auch eine Gemeinschaftsschule in Erkersreuth beantragt. Dem Antrag wurde von der Regierung stattgegeben.

Die Pfarrer beider Konfessionen unternahmen keine Gegenpropaganda, obwohl sie von Seiten des Schulleiters über alle Schritte, des guten Zusammenarbeitens wegen, unterrichtet wurden.

Man war beiderseits der Ansicht, dass die Erkersreuther Verhältnisse einen Widerstand gegen die Errichtung einer Gemeinschaftsschule als zwecklos erscheinen lassen.

Die Zustimmungserklärungen reichten bis auf drei Familien alle ein. Da sie nicht bei der Schuleinschreibung vor den Klasslehrern abgegeben wurden, musste die Umschulung durch die Schulleitung noch einmal durchgeführt werden.

Diesmal war das Ergebnis für die Gemeinschaftsschule geringer, zumal Herr Pfarrer Alberti persönlich die Erziehungsberechtigten aufsuchte und für die Erhaltung der evangelischen Konfessionsschule warb. Auch von der Kanzel aus wurden die Eltern zweimal aufgerufen, sich für die Konfessionsschule zu entscheiden.

Kirchenrat Kreil warb ebenfalls für die Konfessionsschule
(mit Einverständnis der genannten Herren nicht gestrichen).

Durch die Antragstellung, schriftliche und mündliche Zustimmung, sowie Schulneulinge, Gastschüler und Neuzugänge, entschieden sich die Erziehungsberechtigten von 109 Schulkindern für die christliche Gemeinschaftsschule.

Die Erziehungsberechtigten von 46 Kindern blieben der Umschulung fern und äußerten sich gegenüber der Schule nicht.

2.   Aus der Sitzung des Gemeinderats am 7.7.52

"..112 Eltern sind für die Gemeinschaftsschule"

Zu Beginn der letzten Gemeinderatssitzung berichtete Schulleiter Rudolf Richter über das Einschreibungsergebnis der Elternschaft zur Errichtung der Gemeinschaftsschule.

Von 158 Schulpflichtigen wurden 112 zur Gemeinschaftsschule angemeldet, während für 46 Kinder keine Erklärung abgegeben wurde.

Der in dieser Sitzung anwesende Kreisschulrat Georg Unger stellte hierzu fest, dass somit in Erkersreuth mit Beginn des neuen Schuljahrs eine dreiklassige Gemeinschaftsschule und eine einklassige Konfessionsschule bestehe.

Das Abstimmungsergebnis müsse in jedem Fall, auch durch den Gemeinderat, respektiert werden und sei nachträglich nicht zu ändern.

3.   Änderung durch die Regierung und Stellungnahme des
Schulleiters Rudolf Richter in der Schulchronik

Die Regierung von Oberfranken sprach mit Beginn des Schuljahrs 1952/53 eine vierklassige Gemeinschaftsschule aus.

Der vollkommene Akt hierüber befindet sich im Aktenplan der Schule unter Nr.02

Damit fand ein aufregendes Kapitel der Schule seinen Abschluss.

Der Schulleiter hatte dabei einen schweren Standpunkt, zumal sich hier ein geeignetes Mittel bot, ihn von bestimmten Personen seiner Konfession wegen ungerechtfertigt anzugreifen.

Die Gründe waren persönlicher Natur.

Trotzdem ließ er sich nicht beirren und vollzog im Sinne des Volkswillens korrekt seine Amtshandlungen.

4.   Eltern stimmen am 9.9.52 dem Vorschlag der Regierung zu

Bei der vorjährigen Umschulung für die Gemeinschaftsschule entschieden sich bei über 40 Schülern die Eltern für die Evang. Konfessionsschule zum Teil automatisch nach dem Gesetz, weil sie aus irgendeinem Grunde der Umschulung fernblieben.

Um von Seiten der Regierung ab 1.9.52 nicht eine einklassige Evang.Konfessionsschule und eine dreiklassige Christl.Gemeinschaftsschule aussprechen zu müssen,
die bestimmt nicht im Sinne der Eltern gewesen wäre,
ließ die Regierung durch die Schulleitung die Eltern in einer Versammlung am 9.9.52 die schriftliche Erklärung abgeben, dass sie auf die Errichtung der einklassigen Evang. Schule verzichten und ihre Kinder in die Christliche Gemeinschaftsschule schicken.

Bis auf eine Familie kamen alle Eltern dem Antrag nach. Hierauf sprach die Regierung eine 4-klassige Christliche Gemeinschaftsschule ab 1.9.52 in Erkersreuth aus.

5.   Versetzungsgesuche Schulleiter Richter

Schulleiter Richter gab an die Reg.v.Ofr. drei Versetzungsgesuche ein.

Das erste wurde mit der Begründung abgelehnt, dass in Bälde ein konfessioneller Austausch der Lehrkräfte stattfinden werde. Der Fall trat nicht ein.

Eine nochmalige Eingabe wurde dahin beantwortet, dass die Angelegenheit im Auge behalten werde.

Die letzte Eingabe erfolgte im Juli 1952. Richter wurde dabei bei der Regierung vorstellig. Er bat, ihn als Schulleiter ab 1.September 1952 zu entbinden.
Es geschah nichts.

Am 29.9.52 bot man die Stelle einem HL Flügel (nicht identisch mit Konrektor Karl Flügel) aus dem Kreis Stadtsteinach an.

Dieser besichtigte die Stelle und verzichtete darauf.
Gründe: Versetzung an die Grenze kein Vorteil, keine Wohnmöglichkeiten, primitives Schulgebäude.

Richter wurde von Seiten der Regierung anheim gestellt, sich um eine ausgeschriebene katholische Stelle der Bes.Gruppe A4b1 zu bewerben.

Flügel befinde sich als Hauptlehrer an einer einklassigen Schule. Die Stelle müsse ihm gewahrt bleiben, bis sich eine andere Möglichkeit für ihn finde."

(dieser gesamte Text wurde von Richter überklebt und später noch etwas genauer abgefasst! - siehe unter Punkt 6 !!)

6.   Hauptlehrerstelle in Erkersreuth nach wie vor vakant

Da trotz zweimaliger Eingaben - 1951 und 1952 - durch Herrn Schulrat Unger die Ernennung des Oberlehrers Rudolf Richter zum Hauptlehrer nicht geschah, bat Richter persönlich Herrn Regierungsschulrat Horn, ihn mit 1.9.52 von der Schulleitung zu entbinden.

Dem Wunsch wurde nicht stattgegeben, da noch verschiedene personelle Verschiebungen stattfinden und seine zwei Versetzungsanträge - 1948 und 1952 - vielleicht berücksichtigt werden könnten.

Darauf wurde die Erkersreuther Hauptlehrerstelle dem HL Flügel in Heinersreuth, Kreis Stadtsteinach von der Regierung angeboten.

Er stammte aus dem Kreis Stadtsteinach. Am 29.9.52 sprach er hier vor, besichtigte die Schule, erkundigte sich über die Wohnungsverhältnisse u.a.m.

Schulgebäude, Wohnungsverhältnisse, Grenznähe, Abschluss von jeglichem Verkehr, ließen ihn zum Entschluss kommen, auf den Tausch zu verzichten.

Die Hauptlehrerstelle in Erkersreuth, die bis 1943 durch HL Sammer besetzt war, dann vertretungsweise bis 1945 HL Wolfrum und von hier (1.10.45) bis zur Zeit L Rudolf Richter innehatten, wurde im Amtlichen Schulanzeiger für den Reg.Bez.Oberfranken Nr. 12 vom 11.12.52 ausgeschrieben:

"Evang. Hauptlehrer der Bes.Gruppe A4b1, vierklassig, ohne Dienstwohnung."

Um die Stelle hatte sich niemand beworben, auch Richter auf Grund seines Versetzungsgesuchs nicht.

Richter sprach am 2.1.53 bei Herrn Reg.Schulrat Horn wegen seiner Versetzung und Ernennung zum Hauptlehrer persönlich vor. Es wurde ihm mitgeteilt, dass für eine Versetzung in absehbarer Zeit keine Aussicht bestehe und in Bälde seine Ernennung zum Hauptlehrer durchgeführt wird bzw. zu erwarten sei.

Zum 1.August 1953 wurde HL Flügel aus Heinersreuth, Kreis Stadtsteinach laut Regierungsentschließung von Oberfranken auf die Hauptlehrerstelle nach Erkersreuth versetzt.

Lehrer Richter wurde gleichzeitig von der Regierung von Oberfranken in einem Schreiben mitgeteilt, dass er auf eine katholische Hauptlehrerstelle versetzt wird, wenn dieser Tausch bzw. die geplante Regelung perfekt wird.

Flügel nahm aus triftigen Gründen diese Regelung nicht an.

Die Angelegenheit blieb mit Beginn des neuen Schuljahrs noch unerledigt

Am 1.11.1953 wurde OL Richter zum Hauptlehrer ernannt.

7.    Versetzung von HL Richter - Fritz Lehmann neuer Schulleiter

HL Rudolf Richter wurde von der Regierung in Oberfranken dienstlich mit Wirkung vom 1.10.59 an die Volksschule nach Burk bei Forchheim versetzt. Grund: Bereinigung einer konfessionell regelwidrigen Besetzung.

Die Versetzung erfolgte auf eigenen Antrag bei der Regierung in Gegenwart des Herrn Oberregierungs(schul)rats Horn und Bürgermeisters Zippel im März 1956.

Der lang ersehnte Wunsch einiger Erkersreuther, die Schulleiterstelle mit einem evangelischen Hauptlehrer zu besetzen, wurde erfüllt.

OL Fritz Lehmann von der Gemeinschaftsschule Pegnitz übernahm am 1.10.1959 die Schulleiterstelle in Erkersreuth und wurde gleichzeitig zum Hauptlehrer wiederernannt.

Die gesamte Darstellung wurde der Schulchronik entnommen, die von Schulleiter Rudolf Richter in "Deutscher Schrift" verfasst und äußerst gewissenhaft geführt worden ist.
Bearbeitung im März 2008 und © : Jürgen Judas

Weitere Informationen zur Schule Erkersreuth unter www.schule-erkersreuth.de

 

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